Montag, 2. Dezember 2013

Gone Home


Anfang September schickte Thinkles Schwester mir einen Link mit den Worten "das hört sich cool an!", Ich war direkt Feuer und Flamme - Ich mochte Dear Esther ja schon und da hörte sich ein "Rumlaufspiel" mit kleinen Rätseln ja super an. Also kurz mal hier was gelesen, da was gelesen, den Blog der Entwickler zufällig einige Zeit danach entdeckt (wegen der PAX und Dickwolves Angelegenheit) aber etwas schreckte mich immer noch ab - der Preis.
Ganze 20 Euro sollte mich das Spiel auf Steam kosten.
Klar, das sind vier Entwickler die essen, irgendwo wohnen und schlafen müssen und dann noch auf eigene Faust ein Indie-Game entwickeln und rausbringen - aber 20 Euro?!

Irgendetwas in meinem Kopf sagte mir "Das ist bestimmt genau so kurz wie Dear Esther, lohnen sich 20 Euro? Sind dir einundhalb Stunden virtuell spazieren gehen das wert?"

So fügte sich das Schicksal und es war neulich für $9 im Humblebundle Store zu haben, da hab Ich direkt zugeschnappt, es noch am gleichen Abend installiert und sofort gespielt. Der erste Eindruck "Naja, aus der Amnesia Engine kann man eigtl mehr rausholen..." aaaaber Grafik ist nicht alles, rede Ich mir gerne ein.
Die Steuerung ist simpel, Pfeiltasten oder WASD zum bewegen, E oder linker Mausklick zum Benutzen, C oder STRG zum hinhocken, Shift zum ranzoomen und mit der rechten Maustaste kann man Objekte begutachten, wenn man sie in der Hand hält. Springen und sprinten kann man nicht, wird allerdings auch nicht benötigt.
Was mir schon bei den ersten Schritten unangenehm auffällt: Der Sound hat eine winzige Quelle, das heißt stehe Ich direkt an der Tür, wo das Gewitter herkommt, höre Ich fast nur auf dem rechten Ohr den Donner, auf dem linken kaum. Das gleiche gilt für die Stereoanlagen und Plattenspieler im Spiel. Der gewollte Effekt, dass die Musik den einzelnen Raum erfüllt und leiser wird, je mehr man sich von der Geräuschquelle entfernt ist ja ganz gut, aber es überzeugt nicht so recht.

So trat Ich also ins Haus ein, nachdem Ich den Schlüssel unter der guten alten Ente auf der Veranda gefunden habe und ahnte ja nicht, was mir bevorstand (hahaha Die Ärzte Referenz). Ein ganz gewöhnliches amerikanisches Haus, mit Foyer, übertriebener Treppe und viel zu vielen Räumen. Das ist ja nicht das Problem, eher die Menge an Kommoden, Schränken und Beistelltischen die alle mit Türen und Schubladen versehen sind. Die meiste Zeit verbringt man also damit, Schubladen zu öffnen und zu schließen und den Lichtschalter zu suchen. Wenn man darüber nachdenkt macht es ja auch Sinn, dass nicht in jedem Zimmer die Lampen eingeschaltet sind, wenn die Eltern und Schwester verschwunden sind. Die Atmosphäre ist schön bedrückend, das verlassene Haus, die Unordnung in den Zimmern, das Haus ist noch nicht fertig eingerichtet und das Gewitter poltert draußen vor den Fenstern, während man einsam, ohne Hintergrundgeklimper durch das Haus geht und nach Hinweisen sucht.

Es sind viele Kleinigkeiten verstreut die den Eindruck erwecken, als würden wirklich Menschen in dem Haus leben, stehengelassene Kaffeetassen im Wohnzimmer, Stifte und Radiergummis auf den Kommoden, Zettel in den Schubladen, Zeitschriften hier und da verteilt. Da sieht man wie viel Liebe drin steckt - einziger Kritikpunkt: Der Zettelhaufen in jeder Schublade ist die selbe Textur, da hätte man schon etwas Variation reinbringen können, so oft wie diese genutzt wurde.

Ich habe das ganze Spiel in 97 Minuten durch gehabt, für Dear Esther habe Ich 106 Minuten gebraucht und das war eine ganze Insel! Ich hatte oft das Gefühl, dass Ich vielleicht nochmal in einem nachsehen müsste, vielleicht habe Ich ja etwas übersehen? Nein. In diesem Spiel übersieht man nichts einfach so. Der Verlauf ist, für meinen Geschmack, zu linear. Man findet die Briefe von der kleinen Schwester in chronologischer Reihenfolge, so dass man selber die ganze Hintergrundgeschichte nicht mehr zusammen puzzlen muss. Hier hätte es ruhig etwas spannender sein können, so wie in Dear Esther.

Abschließend kann Ich nur sagen, dass Ich sehr froh bin, es nicht für 20 Euronen gekauft zu haben und es ist ein netter Zeitvertreib für einen Abend, eingewickelt in die Lieblingsdecke mit Kopfhörern auf dem Kopf und einer heißen Tasse Tee.

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